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                                              Leseprobe 1987

In den 80zigern wurde in Kiel, an der Universität, am Leibniz-Institut für die >Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik, IPN< als ein im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft agierender offener Forschungs- und Entwicklungsverbund für kulturelle Bildung gegründet (Titel: INSYDE). Es sollte verstärkt auf eine modernere Didaktik in den Naturwissenschaften weiter geforscht werden. Der übliche Frontalunterricht an Schulen, in den Naturwissenschaftlichen Fächern und die Lehrer Ausbildung sollten in die Richtung ganzheitliches, selbständiges Lernen gebracht werden. Ein phänomenologischer Ansatz sollte verfolgt werden.

Das wissenschaftliches Konzept >Interdisziplinäre System-Bildung< wurde von Herrn PD Dr. Walgenbach erarbeitet und 2000 als Buch und im Internet unter www.systembildung.de und www.insyde.de
veröffentlicht.

1986 wurde ich gefragt ob ich Interesse hätte für dieses Projekt Modelle zu erarbeiten und eine Ausstellung mit zu gestalten. Ich stimmte zu, ohne zu wissen um was es genau ging. Ich arbeitete als nichtwissenschaftlicher Angestellter am Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften. Als Maschinenbau –Techniker hatte ich mit Didaktik und Kunst wenig zutun, so freute ich mich auf diese neue Aufgabe.

Das Projekt war eine offene, freie, noch unstrukturierte Anhäufung von Ideen, Vorgaben,  Wünschen und sehr komplexen Fragenstellungen, die es zu klären gab.

Nun ja, Prozesse werden Schrittweise entfaltet, um alle Stadien des Ablaufes mit einer subjektiven, konstruktiven Wahrnehmung erfassen zu können und um sie dann in der Gemeinschaft zu einem Konsens zu führen.
Bildungsgestaltung moderner Gesellschaften sind sehr komplexe Probleme. Sie sind nicht nur durch die Bereiche Wissenschaft, Technologie, Kunst und Religion entstanden sondern sie müssen auch durch diese, im Wechselspiel, untersucht und gelöst werden.
Der Lernende soll die Naturwissenschaften nicht lernen, sondern sie erfinden.

Mit zunehmenden Informationen zu dem Projekt wurde ich in einem Bann gezogen der mich bis heute zu einem völlig neuem Interdisziplinäres System Denken geführt hat. Aus diesem Grunde sehe ich die Reise als ein Bemühen um den richtigen Weg hin zur richtigen Antworten.

Ich möchte Sie ein Stück des Weges mitnehmen und Sie auf meinen Weg durch dieses Selbstbildungs- Projekt, teilhaben lassen. Es braucht kein Vorverständnis von Etwas, weil jeder mit seinem Niveau, Wissen und seiner Intelligenz sich einbringen kann und es als seinen Startpunkt einer Reise betrachten kann, sofern dafür Interesse besteht.

Der Beginn meiner Selbstbildung begann mit Informationen über den Stand der Schule, den Bau von Modellen für den Unterricht und Vorbereitungen für ein Bildungsprojekt  das bei dem Verein >INSYDE< beschrieben werden sollte.

                                                                                                                                                                             

                                         https://img.webme.com/pic/k/kurt-niemann/anfagsseite2.jpg  

                                                             Das Flüssige ist das sensible Chaos  

                                                       Strömungen in Flüssigkeiten von ihren schönsten Seiten.

Strömungen faszinieren wegen ihrer Dynamik, Vielgestaltigkeit, Sensibilität, Kraft, Schönheit usw. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn sie zu Urphänomenen der Natur erklärt werden. Wissen über sie findet sich schon in alten Märchen, Mythen und Sagen, aber auch in den ersten Zeugnissen von Naturphilosophie und Naturforschung. Bis heute werden sie als faszinierend und geheimnisvoll empfunden und stellen auch die moderne Wissenschaft immer noch vor zahlreiche ungelöste Rätsel. Theorien wie die Chaostheorie oder die Theorie komplex-dynamischer Systeme bieten zwar neue und erschließungsmächtige Erklärungsmodelle an. Ihre Begrenztheit wird aber schnell deutlich, wenn sie für Lösungen herangezogen werden etwa für eines der größten Themen unserer Zeit, den Klimawandel. Dabei geht es nicht mehr nur um die wissenschaftliche und technologische Beherrschung von Strömungen zu Lande, im Wasser oder in der Luft, sondern auch um Respekt, den die Menschen den spezifischen Eigenheiten dieses Planeten entgegen bringen müssen, wenn sie nicht natürliche Ressourcen unwiederbringlich zerstören wollen. Es stellt sich die Aufgabe, ein komplexes Spannungsfeld von Bestimmen durch den Menschen und Bestimmt werden durch die Natur produktiv zu organisieren, um die Herstellung einer „Partnerschaft von Mensch und Natur“ (Ernst BLOCH) oder um eine zentrale Zielstellung moderner Ökologie und nachhaltige Entwicklungen. 

Im normalen naturwissenschaftlichen Unterricht werden Strömungen kaum behandelt, weil das komplexe Phänomen zu seiner Erklärung und technischen Nutzung auch komplexe Theorien und Methoden erfordert, die über die Grenzen normalen Schulwissens hinausgehen. Deshalb wird auch hier ein anderer Zugang gewählt, der sich wissenschaftlich mit Ansätzen zu einer Phänomenologie in Verbindung bringen lässt, die sich als Fortsetzung der Naturforschung im Sinne Goethes versteht, der an die Stelle „harter Wissenschaft“ eine sanfte Empirie zu setzen versuchte. Phänomene werden dabei nicht mehr oder weniger gewaltsam manipuliert, um sie für seine Zwecke verfügbar zu machen. Ziel ist vielmehr, das Phänomen in seiner Eigenheit zu erfassen und seine Schönheiten zur Geltung zu bringen. Bekannte Beispiele für eine solche Vorgehensweise sind die Bücher „Das Flüssige ist das sensible Chaos“ von Theodor Schwenk, „Fassen – Fühlen – Bilden. Organerfahrungen im Umgang mit Phänomene“ von Hugo Kükelhaus und die dreibändige „Kymatik“ von Hans Jenny. Diese Arbeiten sind auch ein wichtige Grundlage und Orientierung für moderne Wissenschaftsmuseen und –Ausstellungen wie „Phänomena“, „Phänomenta“   „Heureka“ und andere. Wünschenswert wäre es, wenn das Phänomen „Strömungen“ als Mittel und als Einstieg in andere Wissens und Tätigkeitsbereiche dienen könnte, um sich damit ein in die Tiefe  wirkendes und beständiges, lebendig erlebtes Wissen anzueignen. Der Klimawandel zeigt, dass wir aus Unwissenheit, Ignoranz unsere eigene Lebenswelt zerstören und das Gefühl dabei haben, dass wir ja nicht die Schuldigen sind. Das trotz des Wissens aus neurologischen, pädagogischen und anderen einschlägigen Forschungen zum Lernen und Lehren, dass das Wichtigste für Lernerfolge die Umgebung, das selbst Erforschen und die Resonanz durch andere Personen ist. Auf diese Weise kann in uns das Erfahrene weiter wirken und zu selbständigen Denkanstößen, Tätigkeiten und Handeln anregen und befähigen.

Es geht in erster Linie um Didaktik der Naturwissenschaften, um bestimmte Zielgruppen um einen phänomenologischen Ansatz. Ich will zeigen, dass mit relativ einfachen Mitteln unterschiedliche Strömungen in Flüssigkeiten erzeugt werden können, um diese dann als Grundlage für Systembildung einzusetzen. Dazu stelle ich Versuchsaufbauten vor und damit verbundene Möglichkeiten, faszinierendes Anschauungsmaterial zu gewinnen. Das Ziel ist also nicht fertige Ergebnisse vorzustellen, sondern Anstöße für kreatives, konstruktives Denken und Arbeiten zu geben. um sich mit diesem überaus interessanten Gebiet, in welcher Form und auf welcher Ebene auch immer, auseinander zu setzen und weiter zu bilden.

 Vorrangig ist es also nicht dieses Thema für andere aufzubereiten sondern  für meine eigene, subjektive Weiterbildung zubenutzen.

                                                           
 
 
 

 

Betrachten wir unser Umfeld sehen wir Dinge ohne Namen.

Die Menschen geben erst diesen Dingen unterschiedliche Namen um kommunizieren zu können. Was sie von den Dingen sehen, was wahrgenommen wird ist die Gestalt, sind die äußeren Formen, nicht die Inhalte der Dinge.

Ein phänomenologischer Ansatz soll hier verfolgt werden um das Phänomen Strömungen durch Trennung von Form und Inhalt ganzheitlich zu untersuchen.

Ich bewege mich in den Grenzbereichen von Wissenschaft und Kunst. Nicht technische Verfügbarkeit und Naturbeherrschung wie etwa bei der Begradigung von Fließgewässern ist das Ziel, sondern das Eigenleben und die Selbstdarstellung von Strömungen sind Ausgangs- und Mittelpunkt. Es bietet sich so eine große Vielfältigkeit und Bandbreite, die dann wiederum die Grundlage für interessante Weiterbildung sein kann.

Es ist es sehr spannend, in eine sonst so nicht sichtbare Welt einzutauchen. Die Abläufe in den Flüssigkeiten sind dynamisch, laminar, turbulent, chaotisch, vielfältig, einmalig und schön in ihrer Art. Sie wirken wie Traumwelten und regen die Fantasie an. Es ergeben sich immer neue Möglichkeiten, die Strömungsbilder behutsam zu beeinflussen und sie dann in ihrer Selbstorganisation zu beobachten und zu dokumentieren.

Das Strömungsfenster   

      https://img.webme.com/pic/k/kurt-niemann/s12kurtfenster2bilder.jpg                            

 

Ich habe die Scheiben gerahmt und drehbar in ein Metallgestell eingebaut.

Die folgenden Angaben zum Material, den Werkzeugen sowie den Arbeitsgängen sind nur Vorschläge und Möglichkeiten. Der Optimierung und Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt, man kann seiner Phantasie freien Lauf lassen und eigene Ideen ausprobieren.
Zur Herstellung sind zum größten Teil Materialien verwendet worden, die im Haushalt vorhanden sind oder in Kaufhäusern und Baumärkten erworben werden können.

Einige der hier verwendeten Exponate sind allerdings aufwendiger und können nur mit größerem handwerklichem Geschick oder durch Werkstätten hergestellt werden

 

https://img.webme.com/pic/k/kurt-niemann/s13.jpg

 

 

 Diese Strömungsfenster bestehen aus zwei verklebten Glasscheiben 50 x 50 cm mit einem Zwischenraum von ca. 0,4 cm. Gefüllt mit Spiritus und Aluminium Pulver.

 

 

 

https://img.webme.com/pic/k/kurt-niemann/s13b4.jpg



https://img.webme.com/pic/k/kurt-niemann/aaaaa.jpg

Strömungsbilder können sichtbar gemacht werden, wenn verschiedene Substanzen in Wechselwirkung miteinander gebracht werden. Zum Beispiel, indem Tinte in eine ruhende Flüssigkeit geträufelt wird. Es entwickelt sich ohne weiteres Zutun ein faszinierendes Eigenleben. 

 

https://img.webme.com/pic/k/kurt-niemann/3swald.jpg

 Die hier vorgestellten Arbeiten bewegen sich in Grenzgebieten von Wissenschaft und Kunst. Nicht technische Verfügbarkeit und Naturbeherrschung wie etwa bei der Begradigung von Fließgewässern ist das Ziel, sondern das Eigenleben und die Selbstdarstellung von Strömungen sind Ausgangs- und Mittelpunkt. Es bietet sich so eine große Vielfältigkeit und Bandbreite, die dann wiederum die Grundlage für interessante und schöne Bilder ist. 

Wenn die erste Hürde, die Aufbauten der Geräteanordnungen genommen wurde, beginnt der eigentliche, kreative Teil. Es ist es sehr schön und spannend, in eine sonst so nicht sichtbare Welt einzutauchen. Die Abläufe in den Flüssigkeiten sind dynamisch, laminar, turbulent, chaotisch, vielfältig, einmalig und schön in ihrer Art. Sie wirken wie Traumwelten und regen die Fantasie an. Es ergeben sich immer neue Möglichkeiten, die Strömungsbilder behutsam zu beeinflussen und sie dann in ihrer Selbstorganisation zu beobachten und zu dokumentieren.

Dieses Spielen mit Strömungen kann auch soziale Beziehungen beeinflussen und bestimmen: Das Spielen mit den Möglichkeiten, das gegenseitige Aufmerksam machen, das Ergänzen, der Umgang mit den Geräten ruft gruppendynamische Wirkungen hervor, die sachbestimmt sind und für jede Aufsichtsperson, Lehrer/In oder Dozent/In, wünschenswert sind, weil sie äußeren Zwang und Disziplinierung überflüssig machen.

Es ist bekannt, wie wichtig für Lernerfolge die Umgebung (Kultur und Raum), das Selbst-Erforschen (Eigentätigkeit) und die soziale Resonanz, (Erfolg, Bestätigung und Lob durch andere Personen) ist. Diese Faktoren können selbständiges Arbeiten verstärken und dazu beitragen, dass beständiges und lebendiges Wissen erarbeitet wird, das über lange Zeiträume weiterwirkt. Das Austauschen, das Weitergeben von Wissen und Erfahrungen, vor allen an Jugendliche, ergänzt und festigt das eigene Wissen und damit auch das Verhalten.


Damit wird etwa ein grundlegendes Problem schulischen Lernens überwindbar, das dadurch entsteht, dass man sich innerhalb eines Schultages zehn und mehr verschiedenen Sachen zuwenden muss.  

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Angeregt durch die Zusammenarbeit in einem Bildungsprojekt „Das Flüssige, ein sensibles System zwischen Ordnung und Chaos“ von

 

 
 
 
 
 

 

 

 
 
 

   

 
 
 

 




 
 
 

 
 

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